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Steuerberater Aktuelles
 
September 2004
Pressestimme zum Sächsischen Steuerberatertag am 11. September 2004

Steuererklärung auf Bierdeckel ist Illusion

Sächsischer Steuerberatertag kritisiert schlechte Qualität der Gesetzgebung

Dresden. Die Zeiten, in denen ein einzelner Steuerberater das gesamte deutsche Steuerrecht überblicken könnte, sind längst vorbei. Politiker werben zwar immer wieder mit der Steuererklärung, die künftig auf den Bierdeckel passen soll. Dies sei jedoch nur eine Geschichte fürs Volk, sagte der ehemalige Baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth am Sonnabend auf dem 5. Sächsischen Steuerberatertag in Dresden. In Wahrheit würden sich die Steueregeln hierzulande in den kommenden Jahren weiter verkomplizieren. Dafür sorge allein schon die EU und die voranschreitende Globalisierung. Für Steuerberater bedeutet die Entwicklung, dass stärker als bisher eine Spezialisierung auf einzelne Bereiche des Steuerrechts notwendig wird.

Schon jetzt ist es laut Andreas Zönnchen, Präsident des Steuerberaterverbandes Sachsen, teilweise kaum möglich, Mandanten rechtssicher zu beraten. Die überstürzte Änderung von Gesetzen durch die Bundesregierung und der so plötzlich entstehende enorme Einarbeitungsaufwand für die Berater sind zwar nicht gerade schön, aber noch zu bewältigen, erklärt Steffi Müller, Präsidentin der Steuerberaterkammer des Freistaates Sachsen. Da jedoch diese Gesetze dermaßen durchlässig sind, dass Viele versuchen, sie auf ihre Weise auszulegen, hagelt es nur so Gerichtsverfahren. Die so entstehende Flut an Gerichtsentscheidungen sei für einen einzelnen Steuerberater nicht mehr zu überblicken, doch durchaus relevant für seine tägliche Arbeit, so die Kammerpräsidentin.

Trotzdem können alltägliche Steuerprobleme wohl auch weiterhin von einem Berater abgedeckt werden. Geht es jedoch um spezielle Fragen, hilft Müller zufolge nur eine Kooperation der Steuerberater.

Für einen Aufschrei im Berufsstand sorgt die Bestrebung der Bundesregierung, die Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt in Zukunft auch Steuerfachwirten und geprüften Bilanzbuchhaltern zu erlauben. "Die Arbeit ist eine Steuererklärung, und die sollte den gut ausgebildeten Steuerberatern vorbehalten sein", fordert Zönnchen. Sie macht heute rund die Hälfte des Geschäfts der Steuerberater aus. Rückendeckung bekommen sie von den Landesregierungen, die das entsprechende Gesetz jetzt im Bundesrat erst einmal geschlossen blockiert haben. "Eine hoch qualifizierte Steuerberatung liegt im Interesse des Staates", sagte Sachsens Finanzminister Horst Metz auf dem Treffen am Wochenende. Kammerpräsidentin Müller zufolge geht schon jetzt der Umsatzsteuerbetrug jährlich in die Milliarden Euro. Die Komplizierung des Steuerrechts und die Lockerung der Anforderungen an diejenigen, die Steuerberatung übernehmen, passe deshalb nicht zusammen. Das würde der Qualität der Steuererklärungen hart zusetzen, die doch eigentlich weiter verbessert werden solle.

Erst vor wenigen Monaten starteten die deutsche Steuerberaterkammer, der deutsche Steuerberaterverband und der führenden Dienstleister der Branche, Datev, eine Qualitätsoffensive. Ein Handbuch mit 150 Checklisten und Anweisungen soll vor allem Fehler bei Routinearbeiten minimieren helfen.
Ziel ist es, dadurch die Haftungsrisiken für die Steuerberater zu verringern.

Thomas Stölzel
Artikel der DNN vom 13.09.2004
 

 

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